Rede von Claudia Kallen zur Eröffnungsfeier Waldkindergarten

Liebe kleine und liebe große Gäste, es ist schön Euch alle hier begrüßen zu dürfen!

Ich bin Claudia Kallen vom Verein Mamma Lupa. Unser Verein hat den ersten Waldkindergarten in Wolfratshausen ins Leben gerufen. Unsere Parole: „Ein Waldkindergarten für Wolfratshausen“ ist wahr geworden!

Ja, wir haben heute eingeladen, um das mit Ihnen zu feiern. Wir wollen uns außerdem bei den vielen Menschen bedanken, die uns unterstützt haben.

Ich möchte deshalb von der Gründungsgeschichte und von den Menschen erzählen, die uns geholfen haben.

An einem dunklen Novemberabend vor fast einem Jahr hatten mein Mann und ich am Küchentisch eine lange Diskussion darüber, in welchen Kindergarten unser Sohn wohl gehen solle. Konstantin war bereits seit zwei Jahren in einer Waldspielgruppe – und fand das super! Es war klar, dass unser Traum-Kinderkarten ein Waldkindergarten wäre, aber unbedingt in Wolfratshausen. Warum? Es war uns nicht nur persönlich praktischer und aus ökologischer Sicht wichtig. Wir vom Verein Mamma Lupa sind der Auffassung, dass die Kraft der Veränderung in der Begegnung vor Ort liegt, dass wir Bürger lokale Räume schaffen können und müssen, aus denen heraus wir uns gemeinsam den Herausforderungen unserer Zeit stellen können. Deshalb lautet unser Vereinsmotto: Neuer Raum für ein anderes Wolfratshausen.

Am Ende des Abends stand der Entschluss, dass der nächste neue Raum von Mamma Lupa in Wolfratshausen ein Waldkindergarten sein muss. Auch die anderen Vorstands- und Vereinsmitglieder waren sofort überzeugt. Ist ein Waldkindergarten doch ganz klar ein neuer Raum, mit dem man sich wichtigen Herausforderungen unserer Zeit stellt, wie z. B. der Entfremdung von und die Ausbeutung der Natur, dem Bewegungsmangel, der Verhäuslichung, der Reizüberflutung und der sogenannten „Verinselung“ des Lebens unserer Kinder. Mit der Parole „Ein Waldkindergarten für Wolfratshausen!“ legten wir los.

Jetzt hieß es Ärmel hochkrempeln und herausfinden: Waldkindergarten gründen – wie geht das? Viele Gespräche mit Menschen, die sich auskennen, folgten, wie z. B. mit dem Bayrischen Landesverband der Waldkindergärten und mit der Fachberaterin des Jugendamts, Frau Deger. Wir hatten außerdem das große Glück auf Toni Durchner aus Wolfratshausen zu treffen. Toni berät mit seiner Kita Consult Kindergärten und hat schon einige Waldkindergärten erfolgreich begleitet. Und noch heute schätzen wir uns glücklich, dass Toni uns durch den manchmal verwirrenden Paragraphendschungel führt, mit dem man unweigerlich zu tun hat. Danke Dir, Toni!

Sehr wichtig für uns war und ist auch der Kontakt zu Eltern und Erzieherinnen aus benachbarten Waldkindergärten. So durften wir etwa im Ammerländer Waldkindergarten hospitieren und die Erzieherin Bettina Cagliari stand uns stets mit Rat zur Seite. Auch unsere Freundin Monika Weinert-Achermann, die Vorstand im Ammerländer Waldkindergarten ist, hat uns mit unendlich viel Informationen und Material weitergeholfen und immer angefeuert. Vielen Dank an Euch für so viel Hilfsbereitschaft und Kollegialität!

So gerüstet fühlten wir uns im Dezember 2014 bereit, uns an die Eltern zu wenden. Rasch gelang es uns über Mundpropaganda, Infoveranstaltungen und die sozialen Netzwerke eine engagierte Elternschaft um uns zu scharen. Für uns natürlich eine sehr wichtige Motivation, an der Stange zu bleiben, denn ohne Waldkinder kein Waldkindergarten.

Viele Eltern waren schon sehr früh – also im Januar/Februar 2015 – bereit, sich auf das Abenteuer Waldkindergarten einzulassen, und das auch noch als Neugründung. Neben der Waldpädagogik war sicher auch ein Grund, dass wir von Anfang an ein pädagogisches Kernteam hatten. Drei wunderbare Menschen waren bereit unsere Kinder in den Wald zu begleiten: unser heutiges Waldteam Ute Grötzner, Heike Kirsch und Tom Kessler. Gemeinsam mit ihnen entwickelten wir ein pädagogisches Kurzkonzept. Sie stellten es auf unseren Infoveranstaltungen vor. Ihre persönlichen Ausstrahlung, ihren einfühlende pädagogische Haltung und ihren Erfahrungen gaben uns Eltern viel Sicherheit. Später kam noch Konstantin Gnatz hinzu, worüber wir uns sehr freuen. Danke an Euch für Eure Unterstützung von Anfang an und Euren leidenschaftlichen Einsatz jetzt.

Ein großes Pfund ist sicherlich auch dieser wunderschöne, oft sonnenüberflutete Platz am Rande des Naturschutzgebietes. Hier treffen sich unsere Kinder am Morgen und werden auch hier wieder abgeholt. Nach den aufregenden Waldwanderungen finden sie hier viel Geborgenheit. Wie kamen wir zu dieser Wiese? Im Januar fiel uns ein, dass der Vater unseres Vereinsmitglieds Silvia Gebhart, der Michi Gebhart, Wiesen in der Nähe des Waldes hat. Da gingen wir hin und fragten ihn, ob er sich vorstellen könne ein Stück Wiese an einen Waldkindergarten zu verpachten. Spontan hat er zugesagt, mit der Bemerkung „des werd a suppa Sach“ und unterstützt uns seither tatkräftig mit seinem Knowhow, seinem Werkzeug, seinen Fahrzeugen und mit seiner ganzen Unkompliziertheit und Tatkraft. Vielen, vielen Dank an Michi Gebhart, der heute ein Ehrenamt für Kolping ausübt und deshalb nicht hier sein kann.

Das war nun der Stand im Februar: Die Eltern und die Kinder waren da, ein Platz für den Waldwagen direkt vor dem Wald war da, das pädagogische Team war bereit und die pädagogische Richtung war klar!

Total begeistert und – völlig naiv – verkündeten wir über eine Zeitung vollmundig: Zum Start des Waldkindergartens fehle nur noch ein „Stück Papier“: nämlich die behördliche Genehmigung.

Unsere damalige Begeisterung hätte sicherlich einen Dämpfer bekommen, hätten wir geahnt, wieviel Unwägbarkeiten und Arbeit vor Erreichung dieses Stücks Papier noch vor uns lagen.

Sehr viele Anträge, Begehungen von Waldstücken und Verhandlungen standen uns bevor. Besonders eng arbeiteten wir dabei mit Herrn Melf von der Stadt Wolfratshausen, Frau Deger und Frau Pain vom Landkreis Bad Tölz zusammen. Auch ihnen gilt an dieser Stelle unser Dank für die vertrauensvolle und – trotz aller Arbeit – immer angenehme Zusammenarbeit.

Zu der behördlichen Genehmigung gehörten unter anderem:

  • Ein umfangreicher Bauantrag für den Waldwagen, den uns freundlicherweise das Architekturbüro Adldinger aus Wolfratshausen gesponsert hat. Vielen Dank an Ulrike und Wolfgang Adldinger mit ihrem Team!
  • Verschiedene Anträge für Kostenzuschüsse: hier gilt unserer besonderer Dank dem Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner und den Stadträten der Stadt Wolfratshausen, die uns mit einem einmaligen Kostenzuschuss die Finanzierung des herrlichen Waldwagens ermöglichten. Ausgestattet mit einer sehr potenten Gasheizung und einer Solaranlage zur Stromgewinnung bietet er unseren Kindern bei schlechtem Wetter Schutz, Licht und Wärme. Wir sind sehr glücklich über den Wagen. Also: Vielen Dank nochmals an unseren Bürgermeister und an die Stadträte!
  • Und schließlich die größte Hürde während des Genehmigungsverfahrens: Es musste in der Nähe unseres Waldwagen ein Waldstück gefunden werden, wo es aus Naturschutzsicht keine Bedenken gab. Angesichts der Auflagen im Naturschutzgebiet keine kleine Sache. Das Projekt hing damals wirklich an einem seidenen Faden. Kein Waldstück, kein Waldkindergarten. Bei der Suche nach einem solchen Waldstück hat uns dann der Förster Robert Nörr unter die Arme gegriffen und auch der Isarranger Andreas Huber – ein leidenschaftlicher Naturschützer – ist mit uns mehrmals durch den Wald gegangen. Vielen, vielen Dank an Sie beide und auf eine zukünftige gute Zusammenarbeit im Wald!

Nachdem dann alle Anträge abgesegnet waren, war es im Mai soweit: wir hatten die Betriebserlaubnis sicher! Flugs schickten wir die Betreuungsverträge an die Eltern und im Nu waren alle Plätze vergeben. Unsere Erleichterung war groß – etwas später und so manche Eltern hätten sich notgedrungen bei einem anderen Kindergarten eingeschrieben – aus Furcht ansonsten ganz ohne Platz dazustehen.

Bei aller Mühsal und einigen nervenaufreibenden Zitterpartien ist die Gründung des Mamma Lupa Waldkindergartens aus der Vogelperspektive betrachtet in einem geradezu atemberaubenden Tempo verlaufen – von der Idee im November bis zur Betriebserlaubnis im Mai. Sie stand auch immer unter einem sehr guten Stern. Immer wenn es irgendwo hakte, kam jemand und hatte die Lösung für unser Problem.

Wer aber von uns im Mai an eine längere Verschnaufpause dachte, täuschte sich gewaltig. Es folgte der erste Elternabend, die verschiedensten Dinge musste im Hintergrund organisiert werden und seit August wird von der Elternschaft an Samstagen – meist mit Unterstützung von Michi Gebhart – hier tüchtig gearbeitet. Wir haben z. B. den Zaun mit unseren eigenen Händen ohne Motorsägen gebaut. Wir gestalten die Fläche selbst. Wir statten den Waldwagen langsam selber aus. Wir werden aber auch von Freunden und Familie sehr unterstützt: So hat ein Urgroßvater zweier Kinder, der Herr Weinhart, uns den schönen Schaukasten gebaut und das zukünftige Tor zur Wacholderstraße von Hand gefertigt. Vielen Dank auch an Sie, Herr Weinhart.

Ja, jetzt ist der Waldkindergarten da und wir freuen uns einfach. Seit rund vier Wochen wandern unsere Kinder singend durch den Wald und an die Isar. Sie gehen über den Zwergenweg, machen Halt am Fuchsbau und bestaunen den grimmigen Baum. Sie klettern über Stock und Stein und springen in Pfützen. Sie kommen jeden Tag müde und dreckig, aber glücklich und zufrieden nach Hause. Das Ziel der Eingewöhnungsphase, nämlich dass die Kinder sich auf dem Gelände und mit dem Waldteam wohlfühlen, ist erreicht. Wir sind natürlich ein Waldkindergarten im Aufbau, wir stecken in den Kinderschuhen. Vieles muss noch erprobt, geändert und wieder neu geschaffen werden. Unsere Orientierung dabei ist die Naturpädagogik. Wir sind der Überzeugung, dass die unmittelbare Begegnung mit der Natur die Entwicklung von Kindern auf einzigartige Weise fördert. Ehrfurcht vor dem Leben, eine lebendige Beziehung zu Tieren und Pflanzen und der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur und ihren Mitmenschen werden zu ihrem selbstverständlichen emotionalen Besitz.

Wir haben uns ein Leitmotiv gegeben das diese Kernidee ausdrücken soll: In Verbundenheit wachsen! Die Kinder im Mamma Lupa Waldkindergarten sollen in Verbundenheit zu der Pflanzen- und Tierwelt sein dürfen, sich verbunden zu den anderen Kindern fühlen können, und – was uns sehr wichtig ist – in Verbundenheit zu sich selbst wachsen dürfen. Das ist unser Herzenswunsch!

Lassen Sie uns heute, diesem Motto treu, miteinander feiern, reden, essen, trinken und spielen. Besichtigen Sie unseren Waldwagen und schauen Sie sich unsere Fotos an. Unser besonderer Dank geht an die beiden Organisatorinnen des Festes Natascha und Anette und die gesamte Elternschaft, die sie tatkräftig unterstützt hat.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche eine schöne Zeit bei uns!